Koldenbüttel: Kleine Kirchengeschichte

Koldenbüttel: Kleine Kirchengeschichte

Friesen von der Rheinmündung haben nach der ersten Jahrtausendwende die „Utlande“ besiedelt und schließlich auch am östlichen Rand der Insel „Eiderstedt“ um 1200 ein Kirchlein gegründet: Sie haben sowohl den rheinischen Tuffstein zum Bau mitgebracht, wie auch ihren Schutzheiligen St. Leonhard, dem die Kirche geweiht wurde. Das Taufbecken stammt aber aus südschwedischem Sandstein, denn kirchlich war das Erzbistum Lund in Schweden zuständig. Immerhin lag Koldenbüttel an dem alten Handelsweg der Wikinger, die von Haithabu über die Treene und Eider die Nordsee erreichten. Um den Altarraum zieht sich noch gut sichtbar ein romanischer Gesimswinkelfries, während das Kirchenschiff im Westen in gotischer Zeit um 1400 bis zur heutigen Größe erweitert wurde. Bald danach kam auch der „Glockenstapel“ dazu, dessen innerster Tragbalken auf das Jahr 1461 datiert wird.

Von der Innenausstattung der St. Leonhard-Kirche ist der spätgotische Schnitzaltar wohl noch kurz vor 1500 entstanden, während die Triumphkreuzgruppe im Chorbogen kurz danach entstanden sein wird. Nach der Reformation ist dann erst um 1583 die Kanzel durch den Staller Caspar Hoyer gestiftet worden, ferner die drei großen Epitaphien mit der Taufe Jesu (von Friedrich Sievertzen), seiner Kreuzigung (von Claus Petersen) und seiner Grablegung (von Honne Jacobs), gemalt von Marten van Achten. Bei der Taufe Jesu findet sich am linken Bildrand ein Porträt Martin Luthers und darunter das des Ortspastors Matthias Busenius (+1570), auf der rechten Seite Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon.

Die acht gemalten Passionsszenen Jesu auf den zugeklappten Innenseiten der Altarflügel sind erst 1630 dem Altar angefügt worden, ebenso die Tauf- und Abendmahlsszenen, die jetzt neben dem Taufstein hängen. Unter dem Koldenbütteler Pastor Andreas Bendixen wurde schließlich 1758 die erste Orgel von Matthias Schreiber aus Glückstadt eingebaut, von der allerdings nur noch der sehr dekorative Prospekt erhalten ist. Die Orgel selbst ist bei der großen Renovierung der Kirche 1974 vollständig erneuert worden (von Detlef Kleuker, Brackwede).

Der sehr schön gepflegte, um die Kirche herumlaufende Friedhof beherbergt vor allem das mit einer großen Sandsteinplatte bedeckte Grab von Peter Sax, dem ersten nordfriesischen Chronisten (1597 – 1662).

Der genannte Pastor Bendixen war es auch, unter dem das schon ca. 100 Jahre zuvor erbaute Marschbürgerhaus in der Dorfstraße 14 als Pastorat der Kirchengemeinde gekauft wurde und bis heute so genutzt wird. Es ist ein reetgedecktes Treppengiebelhaus, in dem auch das Kirchenbüro und der Gemeindesaal untergebracht sind. Der große parkähnliche Pastoratsgarten, von einem öffentlichen Wanderweg durchzogen, wird alljährlich für Sommerfeste genutzt. Die Kirche ist von Ostern bis Erntedank täglich für Besucher geöffnet. Sie sind herzlich eingeladen!

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